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Spielen mit Licht #5 – Die Arbeit in kleinen Räumen

Es ist für mich sehr spannend, in kleinen Räumen zu fotografieren, da man dort auf engem Raum viele unterschiedliche Lichtsituationen vorfinden und nutzen kann. Natürlich haben auch große Industriestudios mit vier oder sechs Meter hohen Fenstern ihren Reiz – aber dramatische Lichtsituationen kann man oft viel leichter in einem einfachen Schlafzimmer erreichen. Und zugegeben: kleinere Räume mit kleineren Fenstern sind einfach leichter verfügbar. Wer hat schon 4m hohe Fenster zuhause zur Verfügung? ;)

[Das ist der fünfte Teil einer Artikelserie zu meiner Arbeitsweise --- eine Übersicht über alle Teile findet ihr hier: https://www.patreon.com/portraitsandlight/posts?filters%5Btag%5D=Spielen%20mit%20Licht]

Ich fotografiere – insbesondere in kleinen Räumen – meist im schrägen Streif- oder Gegenlicht. Nur selten fotografiere ich mit der Lichtrichtung. Auf diese Art und Weise kommen die Eigenheiten dieser Räume am besten zur Geltung, da gerade kleine Räume starke Kontraste zulassen, die in großen, lichtdurchfluteten Umgebungen nur schwer zu erreichen sind.

Oder anders ausgedrückt: ich versuche immer, mit den Vorzügen der jeweiligen Umgebung zu arbeiten - und nicht gegen die Location. Mir ist dabei bewusst, dass ich nicht alle Arten von Bildern in einer spezifischen Umgebung umsetzen kann, daher konzentriere ich mich jeweils auf die Art von Bildern, die am besten zur Location passen. Und bei kleineren Räumen sind das für mich vor allem die angesprochenen Streif- und Gegenlichtsituationen.

Die Beispielbilder in diesem Artikel sind alle in einem typischen Schlafzimmer entstanden. Ich denke, dass der Raum etwa 15 Quadratmeter groß sein dürfte. Hier seht ihr einen Blick in den Raum:

Wie ihr seht, ist der Raum nicht riesig und ist sehr nüchtern gehalten: das Bild ist direkt im Türrahmen aufgenommen, auf der linken Seite des Raums steht ein Schrank und daneben ein Bett, das ich für Shootings immer mal wieder im Raum umherschiebe und ein Sessel in der Ecke des Raums. Rechts neben dem Fenster (ausserhalb des Bildes) sind noch mal etwa 75cm Platz zwischen Fenster und Wand.

Welche Bilder mache ich in einem Raum dieser Art?

Alle Bilder in diesem Artikel habe ich in diesem Raum im Laufe der letzten Monate gemacht.

Parallel zum Fenster: Ich starte ein Shooting meist parallel zum Fenster, nahe am Fenster stehend. In diesem Fall habe ich Jen gebeten, den Kopf ein bisschen Richtung Fenster zu drehen, während ihr Körper ein klein wenig weg vom Licht gedreht ist. In dieser Kombination gefällt mir das Licht im Gesicht und auf dem Körper am besten. Im zweiten Teil dieser Serie (https://www.patreon.com/posts/spielen-mit-2-77583244) findest du dazu eine Menge Beispiele im dort verlinkten PDF.

Schräg gegen das Licht, für eine stärkere Definition des Körpers: Sobald sich das Modell mit der obigen Position wohlfühlt, gehe ich meistens einige Schritte vom Fenster ins Zimmer, und fotografiere sie an der gleichen Stelle im schrägen Streiflicht. Das ist vermutlich eine meiner Lieblings-Lichtrichtungen für dramatischere Bilder. In diesem Fall wird oft nur ein kleiner Teil des Körpers beleuchtet, während der Rest in der Dunkelheit versinkt. Hier hat Natalia ihr Gesicht aus dem Licht gedreht, was zu einer etwas mysteriösere/anonymeren Bildaussage führt.

Wichtig dabei ist für mich bei meinen Bildern, dass die von uns aus gesehen rechte/hellere Seite des Modells vor einem dunklen Hintergrund (in diesem Fall vor dem Vorhang) abgebildet wird. Falls Natalia etwas weiter rechts - also im Fenster - stehen würde, dann würde der helle Lichtsaum an ihrem Körper mit dem hellen Licht im Fenster verschwimmen und Kontrastwirkung wäre nicht so ausgeprägt.

Die fast gleiche Position wie oben eignet sich auch wunderbar für Bodyparts, wie hier von Anne. Auf der rechten Bildseite könnt ihr ganz verschwommen noch den Vorhang erkennen.

Auf dem Bettrand sitzend, Richtung Fenster gedreht: Für diese Aufnahme habe ich das Bett leicht im Raum gedreht und stehe direkt an die Wand gequetscht (der Raum ist wirklich nicht groß :)). Wichtig für mich ist - ebenso wie beim vorigen Bild - dass sich die angeleuchteten Bereiche von Anne vor einem dunkleren Hintergrund abheben können und nicht vor dem hellen Fenster verschwimmen. Deshalb habe ich für dieses Bild den Vorhang links ein paar Zentimeter zugezogen.

Das Bild zeigt auch einen Effekt, den ich in kleinen Räumen gerne ausnutze: Ein Raum wirkt auf Fotos oft deutlich größer, als er in Wirklichkeit ist. Einfach, da der  Betrachter des Bildes üblicherweise nicht wissen kann, dass der Raum direkt hinter mir endet. Stattdessen nimmt man meist unterbewusst an, dass der offene Raum rechts noch einige Meter weitergeht.

Auf dem Bett kniend: auch hier nutze ich wieder Streiflicht, um Natalias Körper zu betonen, während ihr Kopf etwas stärker zum Licht gedreht ist. Im Vergleich zwischen diesem und dem letzten Bild (von Anne an der Bettkante) könnt ihr erkennen, wie stark die Wirkung von heller Bettwäsche im Gegensatz zu dunkler im Bild ist.

Weitere Details, die hier ebenfalls interessant sind: In den Hintergrund habe ich einen Sessel gestellt, um die gerade Kante des Raums optisch zu durchbrechen. Noch wichtiger ist aber, dass ich das Kopfkissen hinter Natalia auf das weiße, vertikale Kopfende des Bettes gelegt habe. Ohne das Kissen würde dieses extrem hell leuchten und durch seine geometrisch klare Fläche den Blick ablenken.

Details wie dieses fallen mir manchmal erst bei den ersten Bildern eines Settings auf, und ich nehme mir dann die Zeit, um sie zu korrigieren.

Auf dem Bett liegend - körperbetont: für diese Aufnahme von Emma habe ich das Bett etwa einen Meter nach rechts in den Raum verschoben. So konnte ich das Streiflicht diesmal horizontal nutzen. Meine Kameraposition war dabei nahezu mittig vor dem Fenster. (Und ihr seht: ich habe den Kamerastandpunkt wieder so gewählt, dass sich die hellen Bereiche des Modells vor einem dunklen Hintergrund befinden).

Auf dem Bett liegend - gesichtsbetont: hier habe ich das Bett wieder an die Ursprungsposition an die Wand zurückgeschoben, um einen schöneren Licht-Winkel für das Gesicht von Emma zu erreichen.

Wichtig bei liegenden Bildern ist für mich, dass das Licht "von oben" oder von seitlich-oben (wie hier) aus Sicht des liegenden Modells kommt. Wenn Emma stattdessen mit den Beinen zur Lichtquelle liegen würde, wäre das Licht auf ihrem Gesicht aus ihrer Sicht von unten kommend ("Unterlicht") --- was für die meisten Menschen eher nicht soooo schön wirkt.

An der rechten Wand: Für dieses Bild von Lara habe ich einfach den Fernseher vom Fernsehschrank genommen, sodass sie bequem an der Seite des Raums stehen konnte. (Und mit diesem und den vorherigen Bildern kann man erahnen, wie klein der Raum wirklich ist.)

Weitere Tipps - und wie geht's weiter ...

Was mir bei Aufnahmen in kleinen Räumen immer wichtig ist, ist dass der Raum möglichst wenig vom Modell ablenken soll. Oft beginne ich das Shooting daher damit, dass ich die meisten Deko-Elemente aus dem Zimmer entferne. Besonders die Wand, an der das Fenster ist, möchte ich üblicherweise so frei wie möglich halten, um bei der Wahl des Bildwinkels flexibel zu sein. Falls sich hier Gegenstände, Schränke und dergleichen befinden würden, wäre ich insofern eingeschränkt, als dass ich versuchen würde zu vermeiden, dass die Kanten des Schranks den Körper des Modells optisch durchschneiden. (Geht auch - man ist dann nur weniger flexibel).

In einem der nächsten Teile dieser Artikelserie zeige ich euch, wie ich mit einigen wenigen Accessoires, insbesondere mit einem mittelgroßen Spiegel, den Raum nochmals komplett anders - und teilweise sogar noch größer - wirken lassen kann. Ich freue mich schon darauf :)

Comments

Danke dir ... das freut mich :)

Ingo

Danke für diese wertvollen Tipps. Konnte ein paar davon bei meinem letzten Shooting anwenden :)

Rob


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