#autor_innensonntag: Schreibprogramme
Added 2023-03-12 12:51:03 +0000 UTC
Beim #autor_innensonntag von Justine Pust geht es heute um das Thema »Schreibprogramme«.
Ein Blick in den Werkzeugkasten
Schreibwerkzeuge beeinflussen die Art, wie wir schreiben. Dazu zählen nicht nur Stift und Papier, sondern auch Schreibprogramme. In diesem Beitrag geht es um ihre Rolle in meinem Schreibprozess.
Stift und Papier
Lange habe ich mich gegen handschriftliche Notizen gesträubt. Ich dachte, das wäre nichts für mich, bis ich den passenden Füller für mich fand. Auch Notizbücher mit besserem Papier machten einen echten Unterschied. Saubere Notizen waren die Folge. Inzwischen halte ich Ideen am liebsten handschriftlich fest. Auch wenn ich beim Schreiben feststecke, kann ein Wechsel von der Tastatur zum Handschriftlichen Blockaden lösen.
Der Weg vom Gedanken zur Notiz muss für mich möglichst unkompliziert sein. Ein Notizbuch ist jederzeit griffbereit. Der PC hingegen, will erst hochgefahren werden. Mich in mein Dokument zu klicken kostet ebenfalls Zeit. Das lässt den Schreibimpuls verpuffen, bevor ich meine Idee aufschreiben konnte.
Andere Schreibende schwören darauf, gar nichts zu notieren. Denn klopfen die wirklich guten Ideen nicht immer wieder an? Vielleicht. Doch ich halte jede Idee erst einmal für ein Geschenk und schreibe sie auf. Aussortieren kann ich später immer noch.
Ein besonders schönes Notizbuch kann reizvoll sein, aber auch einschüchternd. Hoot hat einige solcher unbeschriebenen Schmuckstücke in ihrer Schublade angesammelt. Zum alltäglichen Schreiben benutzt sie lieber schlichte Notizbücher mit gutem Papier und unempfindlichem Cover.
Manchmal lässt sich der Respekt vor dem leeren Blatt auch austricksen, indem man darauf herumkritzelt. Oder man verwendet fürs erste Notieren spontaner Ideen die Rückseite von bedrucktem Papier. Auf Schmierzetteln muss ich nichts beweisen. Sie sind Werkzeuge fürs schriftliche Nachdenken, mehr nicht.
Arbeite ich länger an einem Romanprojekt, drängt sich mir früher oder später der Wechsel zum digitalen Schreiben auf.
Schreibprogramme: Textverarbeitung, Planung & Organisation
Digitale Schreibwerkzeuge haben eine ähnlich starke Wirkung auf mein Schreiben, wie die richtige Wahl von Papier und Stift. Viele Schreibprogramme erfüllen dabei mehr als die Rolle einer bloßen Textverarbeitung wie Word, LibreOffice oder Pages.
Papyrus Autor hat mich besonders überzeugt und Word als Textverarbeitung in meinem Schreiben komplett abgelöst.
Aus folgenden Gründen: Es ist auch bei riesigen Dokumenten zuverlässig und verfügt über eine zuverlässige Duden-Rechtschreibprüfung. Alle Funktionen, die ich fürs Schreiben brauche, sind leicht zu finden. Word Dokumente lassen sich ebenfalls damit öffnen und speichern, falls etwa eine Ausschreibung danach verlangt.
Programme wie Papyrus Autor, Scrivener oder yWriter richten sich insbesondere an kreativ Schreibende. Sie bilden neben der Möglichkeit, darin Text zu schreiben, auch Organisations- und Planungsprozesse ab.
Was Planung angeht, ist ein Programm nicht automatisch besser als das andere. Es kommt auf den eigenen Schreibprozess an und darauf, welche Funktionen man überhaupt nutzen möchte. Ausprobieren lohnt sich also.
yWriter (kostenlos) ist ein minimalistisches Planungstool, in dem ich mein Romanprojekt nach Kapiteln, Szenen, Figuren, Orten und so weiter organisieren kann. Im Anschluss kann ich mir beispielsweise anzeigen lassen, wann eine Figur wo vorkommt. Die Reihenfolge der Szenen lässt sich auch jederzeit verschieben. Miteingebaut ist eine schlichte Textverarbeitung ohne besonderen Komfort. Das heißt, ich könnte theoretisch meinen ganzen Roman im yWriter Szene für Szene schreiben und schließlich in ein Worddokument exportieren.
Ich nutze ich den yWriter gerne für die Anordnung und Organisation von Szenen in meinen Romanprojekten.
Obsidian (kostenlos) legt den Fokus auf die Organisation von Informationen. Das Programm lässt sich grundsätzlich für alles verwenden: Lernnotizen, Lektürenotizen, als Tagebuch oder eben zur Organisation meines Schreibprojekts. Es liefert mir Möglichkeiten, meine Gedanken durch Schlagworte und Verknüpfungen zu strukturieren. Wie diese Struktur aussieht, ist dabei ganz mir überlassen.
Achtung Prokrastinationsgefahr!
Sowohl Papyrus als auch Scrivener werben mit ihrer Anpassbarkeit an den eigenen Schreibprozess. Obsidian verspricht nahezu völlige Flexibilität. Nach dem Motto die Gedanken sind frei.
Doch diese Freiheit birgt auch das Risiko, sich in der Organisation zu verlieren. Zu detaillierte Planung kann die Dringlichkeit aus einer Idee nehmen oder einem das Gefühl geben, alles bereits durch die Planung erzählt zu haben. Und am Ende ist man immer noch nicht weiter mit seiner Geschichte …
Stecke ich fest oder erwische mich beim Prokrastinieren, kann ein Wechsel von der Tastatur zum Stift Blockaden lösen. Zusätzlich hilft mir die Pomodoro-Technik dabei, mich aufs Schreiben zu konzentrieren.
Creative Companion: Ein kleiner Motivationshelfer
Im letzten Jahr habe ich ein eigenes kleines Schreibprogramm für Windows entwickelt, das meine Art zu Schreiben verändert hat.
Der Creative Companion (kostenlos) dient vor allem der Motivation.
Es ist eine Ergänzung zu den Programmen, die du sowieso schon verwendest. Er läuft beim Schreiben im Hintergrund oder irgendwo in einer Nische auf dem Bildschirm, wo gerade Platz ist. Die Sprache ist einstellbar auf Deutsch oder Englisch.
Du wirst mit einem motivierenden Zitat begrüßt. Mit einem Klick kann es losgehen. Drei Punkte stehen beim Creative Companion im Vordergrund:
1) Mit der Pomodoro-Technik kannst du dich für eine Weile ganz aufs Schreiben konzentrieren und wirst dazu angehalten regelmäßig Pausen zu machen.
2) Dein Tippen wird mit einem Schreibmaschinengeräusch untermalt.
3) Dein tatsächlicher Schreibfortschritt wird ermittelt und als Balkendiagramm dargestellt. Falls du willst, kannst du deinen Fortschritt auch teilen.
Tatsächlich bedeutet, dass nicht nur jene Wörter am Ende gezählt werden, die in deinem Dokument stehen geblieben sind, sondern auch die gelöschten und umgeschriebenen Wörter. Anders als der Wordcount, den ein Textverarbeitungsprogramm ermittelt, zählt dein Companion die ganze Arbeit mit. Auch Überarbeitung ist Arbeit. Und Sätze, die in einer Schreibsession entstehen und dann kurzerhand doch wieder rausfliegen, sind Teil deines Schreibfortschritts. So der Grundgedanke hinter der etwas anderen Wortzählung des Creative Companions. Diese Art von Wordcount ist motivierender für mich, als die Nettowortzahl, die Word oder Papyrus ermittelt. Der Wordcount des Companions bildet ab, wie intensiv ich innerhalb einer Session an einzelnen Sätzen gefeilt habe.
Ähnlich wie die Wahl des richtigen Schreibwerkzeugs hat dieses kleine Programm mein Schreiben zum Positiven verändert. Ich möchte es nicht missen.
Der Creative Companion ist auch ein guter Begleiter fürs handschriftliche Schreiben. Du kannst die Längen der Pomodoro-Einheiten und Pausen nach deinen Bedürfnissen einstellen. Auch wenn deine Wörter nicht gezählt werden, kannst du ihn fürs Einteilen deiner Schreibzeit oder auch für Schreibsprints verwenden.
Vielleicht hast du ja Lust, es selbst einmal auszuprobieren?
In diesem Patreon-Beitrag gehe ich ein wenig ausführlicher auf meine Arbeitsweise mit dem Creative Companion ein.