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Spielen mit Licht #6 – Atmosphäre durch Dunst- und Nebelmaschinen

[Das ist der sechste Teil einer Artikelserie zu meiner Arbeitsweise mit Licht --- alle Teile gesammelt findet ihr hier: https://www.patreon.com/collection/109065]

[English version: https://www.patreon.com/posts/atmosphere-with-94521435

In den vergangenen Wochen haben mich mehrere Fotograf:innen auf die Verwendung von Nebelmaschinen in meiner Available-Light-Fotografie angesprochen. Da ich in den letzten Jahren bei zahlreichen Shootings unterschiedliche Typen von Nebelmaschinen eingesetzt habe, habe ich beschlossen, meine Erfahrungen zu diesem Thema niederzuschreiben und mit euch zu teilen.

Meine Ziele in der Fotografie, wenn ich mit Nebel oder Dunst arbeite, variieren je nach Shooting. Ich möchte eine Atmosphäre schaffen, Lichtstrahlen sichtbar machen, Nebel als Mittel zur Lichtformung nutzen, Unschärfe im Hintergrund oder Raumtiefe erzielen ... oder manchmal auch einfach eine kleine, unscheinbare Küche als Fotolocation aufwerten.

All dies strebe ich an, „echt“ zu erreichen – also ohne digitale Manipulation in Photoshop. Das gilt übrigens für all meine Aufnahmen: Die Lichteffekte auf meinen Bildern sind stets vor Ort entstanden und wurden nicht in Photoshop oder Lightroom mit Dodge & Burn-Techniken verstärkt oder durch digitale Overlays kreiert. Ich bewundere zwar einige Digitalkünstler, die das beherrschen – aber das ist nicht meine Art der Kunst.

In all diesen Fällen nutze ich meistens möglichst strukturlosen Dunst. Ich vermeide den klassischen strukturierten/texturierten (optisch eher mehr an Rauch erinnernden) Nebel wie er aus üblichen Party-Nebelmaschinen kommt. Aber keine Sorge: Auch diesen Nebel kann man durch Verwirbeln so bearbeiten, dass sich die sichtbare Struktur auflöst.

Vermutlich wurden meine Anregungen für diese Art der Fotografie durch verschiedenste Kinofilme und Fernsehserien geweckt: Wenn ihr dort einmal Innenraumaufnahmen bewusst betrachtet, werdet ihr oft die Verwendung von ganz leichtem Dunst bemerken, mit dem Räume und Lichtquellen etwas spannender und räumlich tiefer gestaltet werden. Auch im fotografischen Bereich, zum Beispiel im gesamten Werk von Vincent Peters, gibt es viele Beispiele dafür, wie Dunst einen Raum interessanter gestalten kann.

Ein paar Warnungen vorab

Bevor ihr eine Nebelmaschine einsetzt, solltet ihr folgendes bedenken: Der Nebel kann bei den meisten Rauchmeldesystemen sehr schnell Alarm auslösen und könnte auch von Dritten aus der Ferne fälschlicherweise als Rauch oder Brand interpretiert werden. Ihr solltet daher unbedingt prüfen, ob der Einsatz in der jeweiligen Location erlaubt bzw. überhaupt möglich ist. Insbesondere in Umgebungen, die an automatisierte Brandmelde-Alarmsysteme angeschlossen sind (wie z.B. in vielen Hotels), ist der Einsatz in den meisten Fällen nicht möglich.

Auch im Bereich von Homeshootings und auch in vielen Mietstudios sind oft Rauch- bzw. Brandmelder installiert. Falls ihr euch entschließt, diese temporär für ein Fotoshooting zu deaktivieren oder abzunehmen, müsst ihr unbedingt daran denken, sie nach dem Shooting wieder zu aktivieren und das Ganze vorher mit dem Eigentümer bzw. Vermieter abzuklären.

Von dickem Rauch bis feinsten Dunst

Es gibt verschiedene Arten von Nebelmaschinen, die sich in mehreren Aspekten unterscheiden. Zu diesen Aspekten zählen der Preis, die Aufwärmzeit, die Dauer des durchgängigen Betriebs und insbesondere die Eigenschaften des erzeugten Nebels, wie Dichte und Struktur.

Ich selbst habe Erfahrungen mit den drei vermutlich am weitesten verbreiteten Typen gemacht: den klassischen Party-Nebelmaschinen (wie sie oft auch in Fotostudios zu finden sind), Hazern und den relativ neuen Taschen-Nebelmaschinen auf Basis von E-Zigaretten-Technologie.

Allen drei Typen gemeinsam ist die Verwendung von relativ geruchsneutralem, glycerinbasiertem Nebelfluid. Es ist jedoch sehr wichtig, ausschließlich das speziell für den jeweiligen Maschinentyp geeignete Fluid zu verwenden, da diese sich extrem in Konzentration und Viskosität unterscheiden können.

Partynebelmaschinen – der Einstieg

Die erste Option ist eine herkömmliche Party-Nebelmaschine, mit der auch ich vor einigen Jahren begonnen habe. Diese Geräte bewegen sich preislich im Bereich von 30 bis 80 EUR. Die passenden Nebelfluids sind in verschiedenen Stärke- oder Dichtegraden erhältlich, von "Light" (leichter Nebel, der schnell verfliegt) bis zu "Heavy" (schwerer Nebel, der länger stehen bleibt). Diese Maschinen haben typischerweise Aufheizzeiten von fünf bis zehn Minuten, nach denen sie einsatzbereit sind.

Übrigens: Es ist unglaublich ratsam, nach der Nutzung (wie in jedem Handbuch zu diesen Maschinen empfohlen) das Fluid wieder zurück in den Originalbehälter zu leeren und es nicht in der Maschine zu belassen. Warum ich das betone? Mir ist einmal eine gefüllte Nebelmaschine im Kofferraum umgekippt – das Fluid trocknet dann zu einer klebrigen Masse. Ich bin nur froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt eine geschlossene Kunststoffwanne im Kofferraum als Schutz verwendet hatte. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie schwer es gewesen wäre, diese Sauerei aus dem Kofferraumfilz zu entfernen...

Das Interessante an diesen Nebelmaschinen ist auch ihr Nachteil für meine Zwecke: Die Art und Weise, wie der Nebel in sichtbaren Schwaden ausgestoßen wird. Für meine Fotografie bevorzuge ich einen Nebel, der eher wie Dunst wirkt – er sollte im Bild selbst nicht erkennbar sein, sondern nur als Mittel dienen, um Lichtstrahlen sichtbar zu machen. Deshalb benutze ich oft ein Stück Karton, um durch fächern den Nebel im Raum zu verteilen und die Nebelschwaden unsichtbar zu machen. Dafür sind meist nur wenige, schwungvolle Luftbewegungen erforderlich – ganz ähnlich wie beim Anfachen eines Lagerfeuers.

Das Bild direkt oberhalb zeigt eine ältere Aufnahme von mir, für die ich damals eine 40-Euro-Partynebelmaschine mit „Heavy“-Fluid verwendet hatte. Das untere Bild zeigt das Ergebnis wenige Sekunden später, nachdem eine Freundin des Models (als ad-hoc-Assistentin und Nebelmaschinen-Bedienerin bei diesem Shooting) den Nebel gleichmäßiger im Raum verteilt hatte.

Auch das folgende Bild entstand mit einer Partynebelmaschine:

Während des Fotoshootings, bei dem dieses Bild entstand, habe ich die Limits einer Party-Nebelmaschine zum ersten Mal erfahren. Im Studio standen zu diesem Zeitpunkt zwei verschiedene Nebelmaschinen zur Verfügung, weshalb ich meine eigene gar nicht mitgebracht hatte. Das Problem bei Mietstudios (selbst bei denen mit den aufmerksamsten Eigentümern, wie es hier der Fall war) ist, dass die Ausrüstung von vorherigen Mietern manchmal nicht pfleglich behandelt wird und Defekte nicht gemeldet werden.

Die von mir zuerst ausgewählte Nebelmaschine hatte eine sehr wackelige Fernbedienung, die meistens nur einen 2 Sekunden langen Nebelausstoß pro gefühlter halber Minute Draufrumdrücken ermöglichte. Dieses Problem habe ich mittlerweile bei vielen Billig-Nebelmaschinen festgestellt: Sie sind mit Mini-Funkfernbedienungen ausgestattet, die von Größe und Beschaffenheit her an Garagentoröffner erinnern. Oft bieten sie keine Möglichkeit, abseits dieser Fernbedienung, den Nebelausstoß manuell zu starten.

Die zweite Nebelmaschine, zu der ich dann wechselte und mit der dieses Bild aufgenommen wurde, war leider nur mit "Light" Fluid befüllt. In der Praxis zeigte sie auch einige Besonderheiten im Heizbetrieb, die nur Nebelausstöße von etwa 30-45 Sekunden erlaubten. Anschließend musste die Maschine erst wieder auf die normale Betriebstemperatur kommen, was rund 3 Minuten dauerte. *Irgendwie* ist es uns damals dennoch gelungen, den sehr großen Speicher mit Nebel zu füllen. Wegen der kurzen Verweildauer des Nebels konnten wir jedoch jeweils nur sehr kurz fotografieren – meistens war der Nebel nach ein oder zwei Minuten wieder verzogen. Mit den erzwungenen Pausen war es mir auch nicht möglich, den Nebel gleichmäßig als Dunst zu verteilen, sodass auf den Bildern stärkere Nebelschwaden zu sehen sind.

Heute denke ich mir, dass ich damals sogar Glück hatte: Denn die Nebelschwaden gefallen mir mittlerweile sehr und das Bild ist als Teil eines Triptychons aus diesem Shooting an meiner Wohnzimmerwand zu sehen.

Für mich stand nach diesem Tag auf jeden Fall fest, dass ich nach einer verlässlicheren Lösung für die Nebelerzeugung Ausschau halten musste.

Hazer – für Dunst im Dauerbetrieb

Eine wesentlich stabilere, flexiblere und für den Dauerbetrieb während eines Shootings geeignete Variante von Nebelmaschinen sind die sogenannten Hazer (Dunsterzeuger) aus dem Bühnen- und Eventbereich. Diese sind deutlich größer und schwerer als Nebelmaschinen und preislich ab etwa 200 EUR im Fachhandel für Event- und Musikbedarf erhältlich. Ich selbst benutze derzeit einen Stairville Hz-200, den ich bei Thomann gekauft habe. (Keine bezahlte Werbung oder Kooperation – ich habe die Produkte in diesem Artikel alle vor längerer Zeit selbst gekauft und habe sie selbst im Einsatz)

Ein Hazer ist im Grunde genommen eine wunderbar einfache Erfindung: Es handelt sich um eine Kombination aus einer Nebelmaschine, wie oben beschrieben, mit einem zusätzlichen starken Gebläse, das die Luft im Raum nach dem Ausstoßen verwirbelt. Der Clou dabei ist, dass man die Menge des Fluids unabhängig von der Intensität des Windes steuern kann. Hat man sich einmal mit dem Hazer vertraut gemacht, kann man die Einstellungen je nach gewünschter Dunstdichte vornehmen und das Gerät dann einfach im Hintergrund laufen lassen.

Das Großartige an einem Hazer ist, dass er dank des starken Gebläses auch in größeren Räumen Dunst erzeugen kann. Die "Vernebelung" für das obige Foto hat nicht einmal eine Minute gedauert. Auch der Nebel beim ersten Bild zu Beginn des Artikels wurde mit einem Hazer erzeugt.

Ein Nachteil – zumindest beim HZ-200 – ist, dass er relativ laut ist und für Filmaufnahmen mit Ton nicht wirklich geeignet (was für mich glücklicherweise nicht relavant ist, da ich lediglich Fotos mache). Ein weiterer möglicher Nachteil des Hazers ist das deutlich größere Volumen und Gewicht. Während man eine normale Nebelmaschine noch problemlos zusätzlich zur Fotoausrüstung im ÖPNV mitnehmen könnte, wird es bei einem Hazer schon eher eine Herausforderung, da er mit Transportverpackung etwa 40 x 40 x 50 cm groß und mit Fluid ungefähr 8 kg schwer sein dürfte.

Taschennebler – immer dabei!

Für mich eine der genialsten Erfindungen überhaupt sind Taschen-Nebelgeräte auf Basis von E-Zigaretten-Technologie. Findige Köpfe haben dort mehr oder weniger die stärksten E-Zigaretten-Verdampfer mit einem Gebläse in extrem kompakten Gehäusen verbunden.

Ich selbst verwende derzeit einen Microfogger 5, den ich direkt bei Vosentech in den USA bestellt hatte (und der leider mit Zoll, Versand und ein wenig Zubehör auf etwa 350-400 EUR kommt). Diese Mini-Nebelmaschine ist weniger als 12 x 6 x 4 cm groß und wiegt mit Fluid nicht einmal 400 g. Sie läuft mit wechselbaren Standard-Akkus (10-15 Minuten auf voller Leistung), kann über USB-C geladen werden und ist ohne jede Vorwärmzeit sofort einsatzbereit.

Für mich ein absoluter Traum, den ich standardmäßig in meinem Foto-Rollkoffer dabei habe.

Beim Shooting, bei dem das folgende Bild entstanden ist, haben die Sonnenstrahlen ganz wunderbar in die Location hineingeschienen. Und mit weniger als einer Minute Vorbereitungszeit konnte ich die Wirkung durch den Dunst aus dem Taschennebler noch verstärken.

Ein kleiner Taschennebler bringt natürlich nicht nur Vorteile mit sich. Vor allem in größeren Studios gestaltet sich die Verteilung des Nebels etwas mühsam und erfordert einiges an Bewegung.

Im folgenden Bild hat sich das Modell meine Kamera geschnappt, während ich mit dem Taschennebler in der rechten Hand durchs Studio lief und gleichzeitig mit der linken den Nebel verwirbelt habe. Es sieht zwar lustig aus, aber es funktioniert auch in größeren Locations :) – zumindest solange die Raumluft relativ statisch ist.

In sehr großen Locations halte ich den Nebler mittlerweile einfach in Hüfthöhe und schlendere damit – während das Gerät auf maximaler Leistung Nebel erzeugt – in ruhigem Schritt und in mehreren Bahnen durch das Studio. Die Verwirbelungen, die ich durch die Bewegung meines Körpers erzeuge, reichen für eine gleichförmige Verteilung des Nebels meist aus. Der Taschennebler genügt auf diese Art meistens auch, um auch etwas größere Orte mit Dunst zu füllen, da die Standzeit des Nebels dank des speziellen Fluidgemischs sehr lang ist.

Bei dem Fotoshooting, aus dem die nächsten zwei Bilder stammen, konnte ich kein größeres Equipment mitnehmen. Daher hatte ich lediglich zufällig meinen Taschennebler dabei, der es mir ermöglichte, das Licht im Hintergrund etwas interessanter zu gestalten.

Gerade das nächste Bild wäre ohne Nebel nicht annähernd so aussagekräftig geworden:

Der größte Nachteil des Taschenneblers liegt darin, dass seine signifikant geringere Nebelausstoßleistung problematisch werden kann, wenn in der Location starke Luftbewegungen herrschen, zum Beispiel durch geöffnete Fenster oder - gerade im Winter - durch Aufwinde einer Heizung. Denn ein starker Luftaustausch im Gebäude bedeutet, dass auch eine längere Verweildauer des Nebels nicht mehr viel nutzen würde. Insbesondere wenn die Luft von unten nach oben strömt, ist der Nebel sehr schnell "über" dem Modell.

Dieses Bild konnte ich beispielsweise nur durch die Nebel-Power meines Hazers umsetzen – als ich wenige Wochen zuvor in derselben Location mit meinem Taschennebler mein Glück versuchte, wurde der Nebel durch die starke Heizung sofort weggepustet.

Wichtig bei der Fotografie mit Dunst oder Nebel

Neben der Auswahl der passenden Nebelmaschine ist es wichtig zu verstehen, wie der Nebel auf dem Foto wirken wird - oder wie er für euch auf dem Foto wirken soll.

Für Fotos wie das oben gezeigte sollte es beispielsweise strahlend sonnig sein, damit die Sonne kräftig in die Szenerie scheint. Bei trübem Wetter oder indirektem Licht funktioniert das leider nicht – zumindest nicht, wenn man sichtbare Lichtstrahlen einfangen möchte. Denn um Lichtstrahlen sehen zu können, müssen sie erst einmal in der Szenerie vorhanden sein.

Am besten erkennt ihr das am Spiel von Licht und Schatten auf dem Boden: Wenn ihr direktes Sonnenlicht mit einer deutlichen Intensität und Kontrast zwischen Licht und Schatten auf einem Boden oder an einer Wand seht, dann könnt ihr oft mit etwas Dunst diese Strahlen sichtbar machen.

Die Struktur des Fensters, durch das das Licht in den Raum fällt, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Perfekt ist es – zumindest für mich –, wenn die Fenster zum Beispiel durch Sprossen oder Gardinen unterbrochen sind, sodass die Lichtintensität variiert und das Bild dadurch spannender wird. Sehr reizvoll finde ich für diese Art der Fotografie beispielsweise alte, unterbrochene Industriefenster, wie ihr sie beim allerersten Foto dieses Artikels sehen können.

Bei dem obigen Bild war die Wirkung der Lichtstrahlen für mich aufgrund des großen und relativ einförmigen Fensters zunächst nicht dynamisch genug. Daher habe ich einfach eine Pflanze aus dem Studio auf dem Fensterbrett platziert, um interessantere Lichteffekte zu erzielen.

Nebel da? Sonne scheint? Strahlen siehst du trotzdem noch nicht auf dem Bild?

Eine Besonderheit ist, dass die Lichtstrahlen oft erst in ganz bestimmten Winkeln zur Lichtquelle wirklich imposant wirken. Ich bevorzuge meist eine leicht schräge Gegenlichtsituation, bin aber immer wieder überrascht, wie die Strahlen nach dem Einsatz von Nebel tatsächlich aussehen und von welchem Standpunkt aus sie am besten zu sehen sind. Ich empfehle jedem, nach dem Vernebeln einfach einmal durch den Raum zu gehen, um die Wirkung des Nebels zu beurteilen. Hier ist definitiv Flexibilität von uns Fotografierenden gefragt, um sich auf das Motiv einzulassen und das Beste herauszuholen.

Bei der Arbeit mit Nebel finde ich es auch faszinierend, wie schnell sich unsere Augen an den durch den Nebel verringerten Kontrast gewöhnen. Daher neigt man meiner Erfahrung nach manchmal dazu, zu viel Nebel in die Szenerie zu bringen. Es ist oft sehr überraschend, wie der Raum wirkt, nachdem ich ihn für ein paar Sekunden verlassen habe – damit sich meine Augen an das Licht „ohne Nebel“ gewöhnen können – und dann wieder ins Studio zurückgehe. Probiert es aus: Ihr werdet überrascht sein, wie viel stärker der Nebel danach wirkt.

Auch die Platzierung des Nebels relativ zum Modell ist für manche Aufnahmen sehr entscheidend. Vor allem sollte man eine bewusste Entscheidung treffen, ob man den Raum zwischen Kamera und Modell in Nebel hüllen möchte oder nicht. Denn wenn der Nebel erst hinter dem Modell beginnt, wird das Modell selbst noch kontrastreich abgebildet und die kontrastmindernde Wirkung des Nebels setzt erst dahinter ein.

Bei dem obigen Bild steht das Modell nahezu am gleichen Platz wie beim vor-vorigen Foto in diesem Artikel, das wenige Sekunden zuvor beim gleichen Shooting entstanden ist. Sie hat sich nur um 180 Grad gedreht und auch ich fotografiere nun mit dem Licht und nicht dagegen. Die Wirkung des Nebels ist jetzt völlig anders: Statt Lichtstrahlen zu betonen, hüllt der Nebel die Umgebung bzw. den Hintergrund in ein gedämpftes, unscharfes und kontrastarmes Licht und rückt dadurch das Modell noch stärker in den Fokus.

Wie wirken Nebel oder Dunst eigentlich ohne direktes Sonnenlicht?

Das oben Gesagte bedeutet natürlich nicht, dass man Nebel oder Dunst nur bei direktem Sonnenlicht verwenden kann. Letztendlich ist es, wie immer in der Fotografie, so: Alle Hilfsmittel, die dir helfen, deine Bildaussage zu verstärken, sind sinnvoll.

Auf dem folgenden Bild strömt zwar beispielsweise viel Licht in den Raum, aber es ist indirektes Licht, da die Sonne an diesem Tag von Wolken verdeckt war. Anstelle von harten, deutlichen Lichtstrahlen erzeugt der Nebel auf diese Art eine eher verträumte Atmosphäre.

Das zweite und dritte Foto ganz am Anfang dieses Artikels sind ebenfalls ohne direktes Sonnenlicht entstanden. Manchmal versuche ich dann, wie auf dem folgenden Foto, das Licht im Raum weiter zu reduzieren (zum Beispiel durch das nahezu vollständige Schließen von Rollläden), um die Wirkung des Dunsts noch etwas zu verstärken.

Beim nächsten Bild, das ebenfalls ohne direkte Sonneneinstrahlung entstand, dient der noch minimal strukturierte Nebel auch nur dazu, etwas Textur im Hintergrund zu erhalten:

Und auch beim folgenden Bild dient der ganz subtile Dunst nur dazu, die Szenerie noch kontrastärmer zu gestalten, was mir in Kombination mit der hellen Strumpfhose sehr gut gefallen hat:

Aber ich muss zugeben: am spannendsten finde ich Dunst wirklich zum Hervorheben von Lichtstrahlen in einer Location. Das wirkt für mich immer magisch:

Ihr seht: Es gibt viele Möglichkeiten, um mit Nebel oder Dunst unterschiedlichste Effekte zu erzielen. Ich hoffe, meine Tipps und Erfahrungen im Umgang mit Nebelmaschinen in der Fotografie können euch ein wenig inspirieren, eigene Ideen auszuprobieren.

Wie alles in der Fotografie erfordert es Übung und Experimentieren, aber mit der Zeit wird es einfacher, und die Ergebnisse sind meiner Meinung nach absolut lohnenswert. Ich bin gespannt auf eure Resultate.


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