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Wieso das Lektorat das Beste am Buchprojekt ist.

Hallo liebe Patreons,

es wird mal wieder Zeit für ein Update. Ich bin nicht sonderlich aktiv auf dieser Plattform, da ich ständig das Gefühl habe, euch Inhalte liefern zu müssen (Bilder, Texte, etc.) - aber dabei übersehe ich die vielfältigen Möglichkeiten des Postens: Ich kann hier neben Updates und Goodies auch Erfahrungen mit euch teilen. Also ... dann mal ran!

Thema Lektorat - Schreibperspektive

Atlas des Äthers in der Limitierten Version ging damals ohne das Lektorat raus (da ich dachte nur ein paar Dutzend zu verkaufen) von dem Geld konnte ich mir dann das Lektorat bei der unvergleichlichen Sabrina Železný leisten. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete.

Sie hat nicht nur meinen Stil, meine Grammatik und meine Wortwiederholungen glatt gebügelt - die inhaltlichen Anmerkungen waren so Augen öffnend, es hat mein gesamtes Schreiben verändert. Und nein, es war nicht viel. Es war präzise. Und ich hatte übertriebene Freude beim Überarbeiten.

Besonders neu für mich war: die Wahrnehmung der Charaktere und ihre Sichtweisen.

Aus welcher Perspektive schreibe ich?

Daran hatte ich vorher nie gedacht. Ich bin ins Schreiben gestolpert - ich hab das einfach so gemacht, wie ich wollte. Charakterperspektive 3. Person. Und dann immer mal zwischen den Protagonisten wechseln. Aber das habe ich etwas missbraucht. Lasst mich das näher erklären ...

Im Lektorat bekam ich alle wilden Perspektivensprünge aufgezeigt. Mir war das gar nicht bewusst gewesen. Plötzlich ergab alles Sinn. Denn das hatte mich tatsächlich an der Geschichte irgendwie gestört.

Wie ich geschrieben habe: Aus mehreren Perspektiven. Ich habe nicht oft gewechselt, aber es gab Szenen, da switchte ich wild hin und her, weil ich die Sichtweise des anderen zur Erklärung brauchte. Das fühlte sich falsch an.

Ich habe nicht den allwissenden Erzähler - ich schrieb aus Charakterperspektive in der 3. Person und doch habe ich meine Protagonisten genutzt, um Inhalte zu vermitteln, wie ich sie darstellen wollte. Dadurch habe ich zwar manchmal schöne Einsichten erhalten, aber auch Spannung verschenkt und die Lesenden ihrer Beziehung zum Charaktererleben beraubt. Plötzlich war man in den Gedanken eines Nebencharakters - das war zwar deutlich, aber er blieb nicht im Fokus. Und es fühlte sich billig an Hintergründe mal eben über die Erwähnung der Gedanken eines Nebencharakters einzufügen. Das war vor allem gar nicht nötig.

Frage: Wie viele Perspektiven brauche ich?

Nur jene, die meine Geschichte erzählen. Und das sind eine Handvoll, weil wir durch mehrere Augen die Welt erleben müssen, um die Geschichte von All'Ein zu verstehen. Doch auf diese Charaktere habe ich mich dann beschränkt und einige kleine Szenen umschreiben müssen. Außerdem brauche ich nicht die Gedankengänge meines Nebenfiguren Paladins - es reicht als lesende Person den Moment so zu erleben, wie mein Hauptcharakter ihn wahrgenommen hat oder ich muss die Szene eben ändern / einen anderen Weg finden das zu erzählen, was für den Plot relevant ist.

Wann wechsle ich?

Da gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ist der Plot die Geschichte des Charakters. Oder die Charaktere sind Spielball des Plots. Sprich, entweder folgen wir Charakteren und dem was sie erleben, was für sie wichtig war - oder wir folgen der Geschichte selbst und damit den für die Geschichte gerade relevanten Charakteren.

Also wechsle ich bei Atlas des Äthers wenn der Plot einem anderen Charakter folgt. Ich erzählte nicht die "Own Story" Geschichte von Charakteren, sondern die einer Welt.
3 Zeitalter von All'Ein in 3 Trilogien. Und das immer mit den Charakteren, die dafür nötig sind.

Jasov als Charakter entstand, um das Worldbuilding erzählen zu können und die Geschichte des Zeitalters. Ein Mittel-Zum-Zweck Charakter. Und man muss aufpassen, dass das nicht beim Schreiben auch so rüber kommt. Das ist mir aber nicht passiert, denn natürlich ist er mir ans Herz gewachsen. Er trägt nicht die leidige Rolle des Auserwählte, eigentlich würde man ihn sogar als Nebencharakter schreiben können - doch genau das macht ihn als Hauptcharakter so angenehm zu lesen. Aber das hat mich oft dazu verleitet die Perspektive zu wechseln, wenn es gar nicht nötig war. Eben weil er vieles nicht weiß, mitbekommt. Das galt es zu überarbeiten und danach war die Geschichte deutlich runder zu lesen.

Ich betreibe also Plot getriebenes Schreiben.

Eigentlich schreibe ich nichts Plot irrelevantes in meine Bücher. Zu einem guten Plot gehören aber auch die Charaktere. Also gibt es immer längere Einführungen von einzelnen Hauptcharakteren oder wichtigen Nebencharakteren, die einem Helfen die Motivation, die Emotionen und die Persönlichkeit zu begreifen, auch wenn sie nicht unbedingt nötig für den Plot sind. Allerdings nutze ich diese Kapitel, wie jene zu Jasov oder zu Esther gerne für das Worldbuilding. Man darf bei seinen Perspektiven, bei all dem Plot und der Korrektheit eines nicht vergessen = "Bedenke den Spaß!"

Ich will mich in meine Charaktere verlieben und manchmal treten dafür Plot und auch Perspektiven zurück. Dann wechsle ich innerhalb eines Kapitels durch klare Absätze zwischen Ihm und Ihr hin und her, weil es gerade um eine emotionale Szene geht, bei der ich beide Seiten fühlen will.

Umsetzung

Direkt nach dem Lektorat begann ich eine Kurzgeschichte zu schreiben, in der jedes Kapitel die Charakterperspektive wechselt - um zu trainieren. Was kann man mutmaßen? Was kann ich durch Körpersprache, Stimme, Worte, Verhalten andeuten, ohne die Gedanken eines Nebencharakters zu beschreiben? 

Es ist viel spannender die Welt aus der Perspektive meines Charakters zu erleben und mit ihm zu bangen und zu fürchten, zu raten, was der andere wohl denkt. Und da ich bei den Kapiteln die Charaktere abgewechselt habe - gab es auflösende Momente. Dachte Leopold noch, Alexander wäre gerade ängstlich - stellte sich im Kapitel aus Alexanders Sicht heraus, dass er wütend war.

Ich habe nun nach fünf Manuskripten für mich meinen Schreibstil festlegen können:

Aus der Sicht eines Charakters - die Gedanken dieser Person - im Erzählstil ausformuliert - in der dritten Person gehalten - Fokus mehr auf den Plot, als auf die "Own Story" des Charakters - Ausnahmen bestätigen die Regel.

Und so lese ich Bücher selbst am liebsten. Sprachlich kann man mit vielen Beschreibungen spielen und sich unserer deutschen Grammatik im vollen Umfang widmen - dennoch kann der Text persönlich gehalten bleiben und ein "So ein Mist aber auch" zwischen den Zeilen, den Worten seinen Charakter verleihen, wortwörtlich.

Aber ja, das war nur ein kleiner Teil des Lektorats. Das nächste Mal schwärme ich von den inhaltlichen Anmerkungen. :D

Grüße, alles Liebe und Gute,

Isa


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